Auf zur durchsichtigen Gesellschaft? – Einschätzungen über eine mögliche Zukunft

Das Schlagwort Industrie 4.0 – ist inzwischen ein viel diskutiertes Thema. Im Zuge der Auseinandersetzung mit den Inhalten über all jene Themen, in welchen der Staat oder Verwaltung 4.0 die Hauptrolle spielen, haben wir bei der Überwachungsproblematik inne gehalten, und versuchten den Bereich gut möglichst aus verschieden Perspektiven abzudecken. Haben wir den nationalen Fokus verlassen, und uns der Thematik über Enthüllungen bekannter Informanten gewidmet, wurde ein neues Bewusstsein über Staaten geschaffen. So wurde uns deutlich Überwachung nimmt weltweit zu. Auch Staaten sind der Technisierung ausgesetzt, und haben das Potential heutiger Technik bereits erfasst und teilweise eingesetzt. Zahlreiche Überwachungsprogramme wurden in den USA durch das Bedürfnis der inneren Sicherheit und Terrorprävention vor allem nach dem 11. September durchgewunken, toleriert und legitimiert. Dadurch wird das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit in demokratischen Staaten neu abgewogen.
Daten spielen in unserem Zeitalter eine wichtige Rolle. Zudem ist auch klar und oder absehbar, das Datenströme von Algorithmen durchsucht werden. Daraus werden auch Schlussfolgerungen möglich sowie Kategorisierungen und Klassifizierungen erstellt. Also ist unsere Gesellschaft bereits eine Daten getriebene Gesellschaft, in welcher sich der Bürger mehr und mehr so angepasst wie möglich verhalten will? Staaten sammeln Daten, überwachen Bürger und wollen dabei immer mehr Kompetenzen, gesetzliche Verankerungen und technische Mittel. Eine Überwachung ist per se immer ein Eingriff in die Grundrechte. Wird so also ein totales Sicherheitsgefühl innerhalb von Staaten hergestellt- oder sind wir nicht vielmehr ein wenig eingeschüchtert oder zu wenig informiert über Gesamtzusammenhänge welche die Thematik aus verschiedenen Seiten durchleuchtet und erklärt? In einer Quelle wird gar von einem historischen Zeitpunkt gesprochen. Die industrielle Revolution fordere eine Entscheidung auch auf politischem Terrain. Die Demokratie 2.0 sei genau so möglich wie der Kapitalismus 2.0, Kommunismus 2.0 oder Faschismus 2.0. (Helbling, Radio SRF3 Input)
Ich selbst realisierte, wie wichtig es ist Überwachung in verschiedene Kontexte zu bringen und diese unbedingt kritisch und detailliert zu beobachten. Ich bin froh, wird von Überwachung auf bürgerlicher Ebene gesprochen, darüber pro oder contra argumentiert. Der politische Dialog über revidierte Überwachungsgesetze in der Schweiz (VDS,BÜPF,NDG) erlebe ich als notwendig. Zudem werden Transparenz und Privatheit neudefiniert. Beispielsweise ist die Open-Data Bewegung und ihre Offenlegung bestimmter Dokumente eine typische Vertreterin solcher Prozesse. Eine offene Datenkultur, also eine Tendenz, welche zu mehr Transparenz und weniger Angst führt?

David Weinberger sagte einst:

Ein Zeitalter der Transparenz muss ein Zeitalter des Vergebens sein.
Aus: (Spiegel, 2010, S.69)

Ein Ausnahmeerscheinung im offenen Umgang mit Daten ist Chris Dancy.Er wird als „the Most Connected Human“ oder als „mindful cyborg“ bezeichnet. Er wurde im einem NZZ Folio (S.18-22) im November 2015 porträtiert.
Chris Dancy gilt als radikal vermessen. Er überwacht sein Schlafverhalten, Herzschlag, Blutdruck, seine digitalen Aktivitäten auf und ausserhalb von sozialen Netzwerken und publiziert das frei zugänglicher auf seiner Homepage. So kann er sich selbst „durchsuchen“ und nachschauen welche Musik er beispielsweise am 11. August 2014 hörte. Er selbst sieht sich als Kunstfigur und ist Leiter und Laborratte des Experiments zugleich. Sein Ziel ist es eine Wikipedia von sich selbst zu haben. Für die Zukunft prognostiziert er, das Ende des Internet und der Beginn eines „Innernet.“ – Das Netz von uns selbst, indem wir einzig alleine Kontrolle über unsere personenbezogenen Daten erhalten.

(Quelle:youtube.com/watch?v=jZOQkp80_BU)

Wiederum deutlich wird auch im Buch Das Geheimnis von Klaus E. Müller auf Seite 64:

„Die moderne Informations – oder Netzwerkgesellschaft überlagere und perforiere alle Trennlinien und Schranken zwischen dem Privaten Lebens- und dem medialem wie behördlich-öffentlichen Verwaltungsbereich.“

Ist also privacy eine der wichtigsten sozialen Fragen des Internet-Zeitalters?
Egal welche Entwicklungen uns in Zukunft bevorstehen, finde ich folgende Aussage als unumstösslich:

„Ohne gesellschaftliche Debatte über den Wert der Privatheit – die einzig als Korrektiv zu den Begehrlichkeiten des Staates wirken kann –und einen griffen Datenschutz sind Szenarien eines perfekten Überwachungsstaates technisch leicht umsetzbar.“
(Lauber, Rudin, 2003, S.12)

Zum Abschluss finde ich, dass Orte der Privatheit nichts mit Geheimnistuerei oder Verstecktheit zu tun haben. Vielmehr sind sie überlegt abgegrenzt von all jenen die nicht bewusst eingeladen wurden. Eine wichtige Selbstbestimmung – in virtuell und digitalen – wie auch physisch realen Räumen.

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